Gaggenau (uwe) - Keine bleibenden Schäden, aber bleibende Eindrücke hinterließ "Blechschaden" mit. dem Konzert in/ der Merkurhalle Ottenau , zu dem der Musikverein "Harmonie" am Samstag eingeladen hatte. Mehr als 500 Gäste genossen ein spritzigwitziges Programm, in dem die zwölf Musiker der Münchner Philharmonie im Stil schottischer Brass-Bands alle Register der Blechblasmusik zogen und die Grenzen zwischen E- und U-Musik mit Pauken und Trompeten zum Einsturz brachten.
Erich Rinner, Frank Unterrainer, Werner Binder, Hermann Göß, Guido Segers (Trompete), Dankwart Schmidt (Euphonium), David Moltz (Horn), Dany Bonvin, Bernhard Weiss (Posaune), Tom Walsh (Tuba) und Arnold Riedhammer (Schlagzeug) sowie Dirigent und Moderator Bob Ross, bekennender Schotte, hauchen Blechschaden" Leben ein. ,Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben zufolge um das "das Spezialprogramm der Münchner Philharmoniker". Das Ensemble füllt seit rund 20 Jahren weltweit große Konzertsäle, begeistert die Massen und heimste viele Preise ein.
Was den Reiz ausmacht, in kleinen Hallen wie in Ottenau zu spielen, beschreibt Ross so: "Es ist der direkte und ganz nahe Kontakt zum Publikum. Wir wollen alle zusammen Spaß mit der Musik haben." Und deshalb gebe es auch kein Programmheft: "Wir gehen spontan auf unser Publikum ein, wählen aus, ob wir mehr Klassik oder moderne' Sachen spielen. Beim Musikverein Ottenau hat es sich angeboten, Stücke zu spielen, der dieser möglicherweise gleichfalls im Repertoire hat.
Dieses Konzept ging auf. Der quirlige Ross liefert rund zwei Stunden urkomische Showeinlagen, die kein Auge trocken lassen, während er - mal mit Zylinder auf dem Kopf, mal den Taktstock zwischen den Zähnen seine Musikerkollegen anführt, die ihm willig folgen. Überraschende Effekte, skurriler Wortwitz sowie die neuesten Schotten- und Musikerwitze ziehen sich durch das, Programm, das so zu einem flotten Spaziergang durch die Welt der Harmonie wird. Musik von Gabrieli, Mozart, Strauß oder Grieg gehören ebenso zum Repertoire wie Stücke von Duke Ellington, Glenn Miller, Dave Brubeck, Bon Jovi oder Ernst Mosch.
Die zwölf Gleichgesinnten auf der Bühne spielen nicht nur Musik, sie spielen mit ihr und kennen keine Tabus. So wird Richard Wagners "Ring der Nibelungen" in stark konzentrierter Form aufgetischt: "In Wirklichkeit dauert das vier Tage, bei uns drei Minuten, denn: Richard Wagner hatte traumhafte Momente, aber schreckliche halbe Stunden", erläutert Ross respektlos die gnadenlose Umarbeitung.
Auch die elf Klasse-Musiker sorgen, für mehr als den guten Ton. Schlagzeuger Riedhammer wirbelt über die Bühne und präsentiert eine effektvolle Standup-Percussion inklusive "amerikanischem Schuhplattler". Hornist David Moltz spielte Alphorn und veranlasst seine befrackten Kollegen zur Spontanwerbung für ein Schweizer Kräuterbonbon. Die beiden ältesten Mitglieder des Ensembles bekommen vom Dirigenten aufmunternden Applaus, als ihnen bei einem Sekunden-Solo die Luft nicht ausgeht.
Ross erläutert das Wunder der Oper am Beispiel von Aida: "Da wird einer von hinten erstochen. Und anstatt zu verbluten, fängt er an zu singen." Und so geht es fort, Schlag auf Schlag, eine gelungene Mischung aus niveauvoller Unterhaltung und sprühendem Witz, an, der die Akteure ebenso Gefallen finden wie das begeisterte Publikum, das Zugabe um Zugabe forderte.
Warum "Blechschaden" gegründet wurde? Ross hat eine plausible Erklärung: "Die Blechbläser sitzen bei der Philharmonie, immer hinten. - Wir wollten auch mal vorn sitzen." Und warum er Dirigent wurde? "Na, weil ich damals die ersten Noten mitgebracht habe."
Bilder von unserem Oktoberfest 2003 finden Sie hier.