Konzert der Extraklasse: Das Ensemble „Blechschaden" mit dem Musikverein aus Ottenau. Foto: Mandic
Ensemble „Blechschaden" der Münchener Philharmoniker begeistert zusammen mit der „Harmonie" - Kapelle aus Ottenau in der ausverkauften Jahnhalle
Herren im Frack servieren Blasmusik vom Feinsten
Gaggenau - Zu einem wunderschönen „tropischen Abend" mit der „Fremdenlegion der Münchener Philharmoniker" begrüßte Bob Ross die Zuhörer in der ausverkauften Jahnhalle am Dienstag. „Blechschaden" nennt sich das Ensemble der Blechbläser der Münchner Philharmoniker, das seit 21 Jahren besteht und mit eigenen Konzertprogrammen im In- und Ausland große Erfolge feiert.
Bob Ross begrüßte auch das „Super-Blasorchester" des Musikvereins „Harmonie" aus Ottenau, das unter Leitung von Katherine Flynn-Hartmann in einem begeisternden Vorkonzert mit schmissiger „Gute-Laune-Musik"die Zuhörer begrüßt hatte. Die Texanerin am Pult hat sich ganz offensichtlich bei der Harmonie gut eingelebt, Akzeptanz und stimmiges Miteinander sind Voraussetzung für so gekonnt und spritzig vorgetragene Medleys durch das in allen Registern üppig besetzte Blasorchester, das auf der ganzen Linie zu überzeugen wusste.
Mit der Fanfare aus „Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss, die fast übergangslos in einen rasanten, reich kolorierten schottischen Tanz überging, gelang den Herren im Frack aus München ein Opener, der gespannt auf mehr machte. Lupenreine Intonation, ganz ausgeklügelte Dynamik und überaus bewegliches Musizieren faszinierten schon beim Eingangsstück. Ein erster Höhepunkt war dann die ganz behutsame Interpretation von „Amazing grace" in einem raffinierten Arrangement mit diffizil harmonischem Geschehen, in dem der Tiroler Franz Unterrainer in einem Flügelhornsolo glänzte.
Es war Blasmusik vom Feinsten, was an diesem Abend durch die 11 Musiker von „Blechschaden" geboten wurde. In dem international besetzten Ensemble spielen durchweg erfolgreiche Solisten mit berufsbedingtem, sensiblem Feeling für absolut stimmiges Ensemblespiel. Durch großartige Soli, etwa von Guido Segers (Trompete) mit einem einschmeichelndem schottischen Lied, von Tom Walsh, der mit einer rassigen Bossa nova auf der Tuba begeisterte, oder durch Fritz Winter, (Posaune), der mit überraschenden Einfällen die 5. Sinfonie von Beethoven „rettete", bekamen die Vorträge zusätzlich begeisternde Würze. Soli von Werner Binder und Hermann Göß (Trompeten), philharmonisches Urgestein, die schon, so Bob Ross, „dabei waren, als das Tote Meer noch lebendig war", Matthias Fischer auf dem Euphonium oder David Moltz (Horn), taten da ein Übriges. Ausgeklügelte, nie langweilige Arrangements sind dem Ensemble geradezu auf den Leib geschneidert, und so reihte sich eine brillante Interpretation an die andere in einem vielseitigen Programm, das von Bach bis McCartney und alpenländischer Folklore vieles zu bieten hatte. Gewünscht hätte man sich, dass die Bläser musikalisch mehr aus ihrem philharmonischen Alltag erzählt hätten. Die „Bourree" aus einer Suite von Bach, ein konzertantes Stück von Ravel, Mozarts „Kleine Nachtmusik" oder Albinonis „Adagio für Streichorchester" waren fesselnde konzertante Höhepunkte. Eine Stärke der blechgeschädigten Männer ist aber auch ihr prickelnder, mit Passion ausgelebter Hang zum musikalischen Spaß.
Dreh- und Angelpunkt Konzert ist der quirlige, schottische Dirigent Bob Ross, temperamentvoll den ganzen Abend lang durch sein Dirigat: „tanzt". Dabei führt er seine Kollegen straff und vermittelt eindeutig. Bei den Philharmonikern ist er Hornist, bei „Blechschaden" unumstritten „Maestro". Besonderes Vergnügen bereitet er mit seiner witzig-; schlagfertigen Moderation, der seine Ensemble-Kollegen viel Spitzfindiges „auf die Mütze" bekommen, etwa wenn von David Moltz sagt, dass er königlicher Abstammung sei: „Sein Vater war King Kong“. Dass „Lebensgefährtin" klinge, wie der Plural von Lebensgefahr; war eine der charmanten Bemerkungen, die er den ganzen Abend lang auf Lager hatte. Mit dem gemeinsam mit den Ottenauern intonierten „Radetzky-Marsch" und einem langen Zugabeteil wurde dieser Kulturrausch-Saison ein genussvoller, höchst vergnüglicher Schlussakkord gesetzt.